Der graue Gaukler zieht mal wieder blank.
Träuft Wein ihm in das Maul! Dass er verstummt.
Am Fenster kratzt was Kaltes. Gott ist krank.
Denn überall ist Stadt. Ein Motor brummt
von irgendwo ins Klare dieser Nacht.
Und alles geht im Kreis. Wo kommt man an?
Ich habe zu viel Zeit allein verbracht.
Das macht heroisch. Oder irre. Irgendwann
kehrt alles heim. Wir wären schlauer, wenn
ich etwas wüsste, das man nicht vergisst…
Die Tage sind wie ein Gedicht von Benn:
so ehrlich, und vor Menschheit beinah trist.
Posted: Dezember 29th, 2009
Categories:
Lyrik
Tags:
>=3 Strophen,
5-hebig,
Befinden,
Bekenntnis,
Betrachtung,
Gedanken,
Jambus,
Lyrik,
Menschen,
Nacht,
trinken,
Winter,
zwischenmenschlich
Comments:
No Comments.
Nicht dass du denkst, ich hätte was vergessen.
Die Nächte sind mir – ganz wie früher – heilig.
Vielleicht verläuft die Zeit ein wenig eilig
(zumindest bis kurz vor dem Mittagessen).
Ich musste ein paar Bücher neu besorgen
und ein paar Orte wiederfinden. Leider
ist alles etwas blass und deiner Kleider
frohbuntes Wehen fehlt. Ich denk an morgen
und dass wohl keiner etwas weiß, dass Gestern
nur halb durchdacht sein kann. Sein muss. Ich hätte
vorm Fenster gerne alte, große Bäume,
mit Fledermäusen und mit Vogelnestern
und Gipfelrauschen, weißt du: dieser Glätte,
die wie ein Schlaf war, voller leichter Träume.
Matter Retrolook. Und Vorhangwehen.
Zucker im Kaffee. Man ist allein.
Hübsche Menschen sitzen oder stehen
lässig im Gespräch. Am Tresen ein
Winterpanoramafenster. Straßenleuchten.
Großstadtpoesie. Sonst wirkt es nicht.
Die Bedienung wischt mit einem feuchten
Lappen etwas weg. Das Kerzenlicht
rollt auf schwer getünchten Stofftapeten.
Aschenbecher. Alphawezen. Luft,
die nach Heizung schmeckt. In Preispamphleten
steht etwas vom Flow des Milchschaums. Duft
[voll von Klarheit einer dieser franken
Winkelblickgelassenheiten] reibt
sich mit Zärtlichkeit in die Gedanken.
Stift. Papier: Man ist allein und schreibt…
Posted: Dezember 15th, 2009
Categories:
Lyrik
Tags:
>=3 Strophen,
Befinden,
Bekenntnis,
Betrachtung,
Dichtung,
Lyrik,
Menschen,
Musik,
Schreiben,
Stadt,
Trochäus,
Winter
Comments:
2 Comments.
Vorm Fenster glüht die Welt vom Wein, vom Scherzen
des bisschen Schnees. Und [himmlische Kasteiung]
in ordentlicher Warteschlangenreihung,
vor Schaschlikspießen, Zimt und Stumpenkerzen,
fühlt mensch sich voller bodenlosem Frieden.
Der Heiland und das Holzschnitzkunstgewerbe
sind fast wie Mann und Frau. Und eine herbe
Dunstglocke hängt auf allem. Ganz entschieden
weht durch die abendlichen Altstadtgassen
mit Wirbelung ein weißer Schwarm Servietten:
Beschaulichkeit im Glanz der Lichterketten.
Und während all das still vorüber gleitet,
verklärt sein Blick sich. Nichts. Gelassen
ein letzter Zug, an dem die Nacht sich weitet.
Posted: Dezember 13th, 2009
Categories:
Lyrik
Tags:
5-hebig,
Betrachtung,
Jambus,
Lyrik,
Sonett
Comments:
No Comments.
Ich fühl mich wiedermal knietief im Wald
und will die Sterne küssen.
Und überall ist Bass. Und etwas ballt
sich in mir auf. In Flüssen,
die -in der Luft zerstäubend- um mich wehn,
klingt eine schöne Stimme.
Ein Schaum am Lichtglanzherbstvorübergehn – -
Jetzt muss es sein! Die Sinne
und alles was ich weiß… gespannt. Fürwahr!
Was soll der Geiz? Ich frage
doch nicht zum ersten Mal. Ich bin und war
im Fieber. Gott, wie vage
das alles ist. Ich tanze! Herrlichkeit,
noch bist du nicht Geschichte.
Wie tausend Mal zuvor: Die Arme weit -
Lass.end.lich.los – und… dichte…
das Leben braucht ein wenig Größenwahn.
Rings schmilzt die Welt im Schimmer.
Und auf der Flöte spielend schreitet Pan
zu mir ins Zimmer.
>>>
Die Tage sind wie aus dem Handtuchspender:
Glatt, trocken, sauber und zerreißbar zart.
Perforationen. Klare Abrissränder.
Man weiß was kommt. Nichts schlägt mehr aus der Art.
Zuweilen doch ein hübsches kleines Schauern,
falls etwa eine Knitterfalte prangt.
Nicht weiter wild. Trotz einigem Bedauern,
vergeht es, ohne dass man daran krankt.
Schön locker wehen also unsre Bahnen,
im lauen Luftzug. Mühsam geht der Hauch.
All dem galant anheim gefallen ahnen
wir nichts von Drang und weltlichem Gebrauch.
Posted: Dezember 3rd, 2009
Categories:
Lyrik
Tags:
Comments:
No Comments.