(ein Triolett auf den Frühling)
Wie schön, dass es nun Frühling ist.
Mir ging es langsam auf den Zünder,
dass sich der Winter nicht verpisst.
Damit man, da nun Frühling ist,
das mit der Kälte schnell vergisst,
grillt man am besten Viertelpfünder,
und trinkt darauf, dass Frühling ist:
Los, Alter, hol den Grillanzünder!
Posted: März 30th, 2009
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Du wunderst dich, dass wir die Uhr nicht umgestellt?
Mein Freund, das juckt hier doch kein Schwein.
Das Scheißkaff liegt derart am Arsch der Welt,
wenn’s morgen Nacht wär, anstatt Tag zu sein -
es wäre halb so schlimm! Drum bleib entspannt:
Wer Zeit hat, dem ist Uhrzeit eitler Tand.
Mit Ernst ist doch kein Staat zu machen.
Ich seh es ein. In Krisenzeiten,
da soll man Menschen Freude machen.
Nichts Schweres bitte. Nichtigkeiten
in Full HD und solche Sachen
gilt es dem Volke hinzubreiten.
Drum will ich Euch erneut beschwören:
Vergesst den Ernst. Ich wollt nicht stören.
Schimpft auf den Tatort, auf den schlechten.
Sucht mit der Liebsten nach Gestirnen
in smogverklärten Vollmondnächten.
Schafft Geld zur Bank und zu den Dirnen.
Schwenkt feist das Bier in Eurer Rechten
mit Schmackes in die deutschen Birnen…
Macht Dinge, die sich so gehören.
Vergesst den Ernst. Ich wollt nicht stören.
Übt Euch in festlichem Betragen,
wählt demokratisch, schließt die Türen.
Und solltet Ihr ein Unbehagen,
ein leises Zweifeln je verspüren,
dann geht, um dieses anzuklagen,
bei schönen Wetter demonstrieren.
Kurzum: Lasst Euch vom Tand betören.
Vergesst den Ernst. Ich wollt nicht stören.
Posted: März 28th, 2009
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Heimatliebe, das heißt: Lieben!
Heißt: Kommt endlich zu Verstand.
Fluch den Teufeln, die uns trieben.
Heil dem deutschen Heimatland!
Klatschen müsst es auf den Wangen,
links und rechts. Viervierteltakt.
Dass das Pack glaubt Engel sangen
aus dem Bierglas, und zwar nackt.
Schon vor hundert Jahren klangen
Bürgerchöre – noch bestiegen
von solch dreisten Scheißhausfliegen -
in die deutschen Aufbruchsstunden.
Heut hab ich’s erneut gefunden:
Heimatliebe, das heißt: Lieben!
All das Geld und die Finanzen,
in die Grube fahr es nieder!
In der Schüler bunten Ranzen
Vaters frohe Heimatlieder
brechen -Ach!- die schärfsten Lanzen! -
Mutters Herz bewahrt vor Kant
Sohn und Tochter!, vor dem Tand
der Vernunft, der an uns klebt…
Was ich sagen will, ist: Lebt!
Heißt: Kommt endlich zu Verstand.
Jagt die braunen Erzfaschisten,
aus den Räten unsrer Länder!
Auch die roten Kommunisten
und in heilige Gewänder
eingehüllte Heuchelchristen
jagt davon. Und die, die blieben:
Bürger, die das Handwerk lieben,
Menschen neuer deutscher Stunde,
sprechen wie aus einem Munde:
Fluch den Teufeln, die uns trieben!
Fluch der Politik, der Metze
der Geschichte. Fluch der Bank!
Fluch der schlimmen Medienhetze,
Fluch dem steten „Gott sei Dank!“.
Brüder, Schwestern, auf die Plätze!
Reicht in diesem Sinn die Hand
Euch zum Tanz, schreit im Verband,
dass es bis ins Mark erschüttert,
weil es uns nicht mehr verbittert:
Heil dem deutschen Heimatland!
Posted: März 26th, 2009
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Statt euch beim Psychologen zu besprechen,
treibt Sport, entmenscht euch ab und zu,
macht Liebe auf stadtfernen Rasenflächen -
kurz: macht’s wie ich und bleibt mit euch per Du!
Posted: März 24th, 2009
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Es riecht nach Sachertorte und Kaffee.
Die Männer tragen dünne Schals am Hals,
die ziemlich unnütz sind, ja, bestenfalls
gewissen Chic beschreiben. Und per se
ist man als Deutscher — eben deutsch und so.
(Das kennt man aber auch von anderswo.)
Prunkvolle Gassen. Wer es sich erlaubt,
zahlt Preise, die noch echte Preise sind.
Wie man das “R” rollt, weiß hier jedes Kind.
Man grüßt: “Grüß Gott!” weil man noch daran glaubt.
An den Tourismus glaubt man sowieso.
(Das kennt man aber auch von anderswo.)
Kurzum: die Stadt ist schön und macht auf reich,
doch reißt nicht wirklich heftig vom Gestühl.
Sie trumpft mit typischem Großstadtgewühl.
(Die U-Bahn riecht in allen Städten gleich.)
Doch über eines war ich wirklich froh:
Ein bessres Schnitzel kriegst du nirgendwo.
Werte Leserschaft,
folgende, geplante Reiseroute für die nächsten Tage: Wien –> Puppenbehausung –> Absolut Friedenau. Entschuldigt mich derweil und genießt die Ruhe auf www.blogfront.de.
Posted: März 16th, 2009
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Kein Unglück, das nicht voller Lust beschrieben,
kein Mord, der nicht in allen Einzelheiten
be- und zertratscht wird. Ausgeweidet liegen
die Opfer auf den Sonntagssonderseiten
ganz frisch und in den letzten Atemzügen,
gleich neben Sport und Politik. Am Leiden
reißt ihr das große Maul sperrangelweit,
voll geilem Staunen auf und blökt Entsetzen.
Und wühlt in den Gazetten. Und soweit
ihr könnt, verbergt ihr dieses Sich-ergetzen,
das euch dabei aus jeder Pore schreit,
wie Freiern, bei gekauften Straßenmetzen.
Ich geh nach Haus. Die Gasse schweigt wie tot.
Und Fenster blicken müde aus St. Nikolai.
Im Hinterhof: Geruch von frischem Brot,
entwichen aus der nahen Bäckerei.
Zwei Bier im Arm. Die Außentreppe knackt.
Wahrscheinlich schläfst du seit fünf Stunden schon.
Und weil du weißt, ich komm noch, schläfst du sicher nackt.
Ich schließ die Tür auf ohne einen Ton.
Die Dielen seufzen herzliches Willkommen.
Es riecht nach Ingwer, Toast und irgendwas mit Huhn.
Wie gern hätt ich den Zug davor genommen -
indes es gab -wie oft- so viel zu tun.
Posted: März 13th, 2009
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Liebe Leser, ab heute wird es im Footerbereich statt der stets stiefväterlich behandelten “momentanen Lektüre” ausgewählte Videos und dergleichen mehr geben.
Posted: März 12th, 2009
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Der Morgen graut. Dadamnphreaknoizephunk. Sekt.
Und dann die Kunst, die süßen Sachlichkeiten
ein wenig zu genießen. Nebel bleckt
die weißen Zähne. Lächeln. Herrschaftszeiten.
Ein Kerzenflackern. Trunkner Schatten schleicht
ins Dunkel über warme Knitterstoffe.
Wie weit das Leben noch zum Spaß gereicht?
Frag nicht. Und hoffe.
Posted: März 11th, 2009
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Nachdem nun die Päckchen an die Gewinner abgeschickt worden sind, fehlt nur noch eines: Ro-berts Infiltrationsbeitrag zum Wettbewerb. Getarnt als Rainer Robert Rilke reichte er das „Tagebuch des R. R. Rilke“ ein. Hier das von Puppe und mir ausgewählte Teilstück, welches uns am besten gefallen hat und darum mit diersem Gastbeitrag verdiente Ehre erhalten soll:
Feierabend
——————————–
Die Straßen sind voller Menschen.
Nicht wie erst noch. Jetzt
kriechen die Arbeiter wieder
in ihre verbürgerlichte
Behausung zurück. “Einen Euro,
guter Mann?” Cool,
auf Anhieb geklappt.
“Gott segne Sie.”
Reicht für ein Gläschen
am Stammtisch. Nachfüllstoff
hab ich ja im Beutel.
Der reicht für’s Delirium.
Hupende Autos auf den Straßen.
Ameisen auf der Suche nach
Futter, Wohlstand und Sex.
Ihr Gewimmel lässt mich taumeln.
Der Gehweg wird eng.
Zu viele Füße. Viel
zu viele Füße. Ich glaub,
ich mach lieber
kurz Halt.
Dies kennt nicht nur der Gast in deutschen Kinosälen:
Wo es nichts Gutes gibt, da muss man Schlechtes wählen.
Posted: März 7th, 2009
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Es gibt doch nichts Besseres, als dicken französischen HipHop und bewegte Fingerspitzenkribbelbilder mit schrägen Typen aus der Team der ebenfalls französischen Sicherungsschmiede Petzl :
[kml_flashembed movie="http://www.youtube.com/v/PVla4G0C9wU" width="425" height="350" wmode="transparent" /]
Dazu noch ein Epigramm zur Halbmastwurf-Sicherung nervöser Vorsteiger:
GIB SEIL! Mensch. Gottverfluchte Scheiße.
Das krangelt aber! sprach sie unten leise.
Posted: März 6th, 2009
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… auf eine gedichtete Einladung betreffs einer Weinregaleinweihung – oder: ein Beispiel wie sich heroische Sonette aus einem relativ alltäglichen Umstand hervorschrauben …
Kletterkollege A-Tom schrieb per Mail:
Es ist vollbracht,
und Wein muss sein,
drum lad’ ich euch alle ein.
Kommt morgen zu mir,
mit oder ohne Bier,
und lasset uns zusammen sein,
bei einem Gläschen Wein!
———————————————————–
Von fiebrigem Eifer gepackt antwortete ich:
Wie gerne mischte ich in euren bunten Reigen
mich, meine Lieder, meinen Durst und seh schon nackt,
auf Schweinen reitend euch der Welt den Hintern zeigen
und weiß euch sonder Tadel tüchtig zugejackt,
wo andres Volk noch bang am Anstand krampfend klammert,
als sei’s ein Griff, der ein paar Meter überm Ring
zum Absprung in die Tiefe drängt. Es -fackin- jammert
den Teufel, doch ich kann nicht bei euch sein. Es hing
das grimme Joch mir oft schon auf den Schulterblättern.
Auch dieses Mal. Verzeiht, ich trink zu Haus auf euch.
Trinkt ihr indes auf mich und hört mich grausam wettern:
Fluch! allem Knechttum! Fluch! dem sauren Kriechgeräusch!
Doch Heil! der Bruderschaft, den Gipfeln – und den Wolken,
die wir im Rausch erklommen – und die wir gemolken!
Posted: März 5th, 2009
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die Gewinner stehen fest. Die Entscheidung fiel -um den Anteil bedeutungsschwangerer Phrasen auf dem gebührenden Level zu halten- durchaus schwer, doch es kann nur drei geben.
Im Falle des dritten Blogfront-Lyrikwettbewerbes sind dies:
Litteratte – für ein gutes und klassisches Stück Gebrauchslyrik aus dem Alltag eines möglicherweise im literarischen Bereich tätigen Lyrischen Ichs, welches den Kampf gegen die Windmühlen und somit Cervantes Meisterwerk „Don Quijote“ bestens verstehen dürfte.
Sachverständige
Da sitzen sie und zupfen klug an Literatenfeigenblättern
in ihrem Urteil sind sie meist bequem konform
um auf ein Stichwort ganz spontane Statements hinzubrettern
erscheinen sie – wie sonst? - in Uniform
Das muss doch einmal Einer aufgeschrieben haben
wer sich für weise hält, der trage schwarz allein
das soll zu Kenntnisnahme mild latenter Geistesgaben
dem Publikum `ne Hilfestellung sein
Ich bin schon froh, wenn die nicht an den Brillenbügeln nagen
selbst wenn ich jetzt ein wenig grausam bin
ich würde denen allzu gerne sagen:
es macht ästhetisch keinen Sinn – wenn Rolli unter Doppelkinn
———————————————————————
Kacper – mit seinem herrlichen Abstraktum, dessen frostige Kühle deutlich zwischen die Zeilen, aus dem Seitentürchen zu wehen scheint. Einen guten Schluck Gin also, der Herr, … das wärmt auf.
betrachtung einer alltagskleinigkeit
sie hat die tür wieder nur
angelehnt hinterlassen
ein hauch kühle kitzelt
mir den nacken sie macht
das damit ihr körper nach
der wiederkehr nur umso
wärmer erscheint.
———————————————————————
Und Outofnowhere (so der vom Autor angegebene Name) – der uns in wundervoller Verknappung in eine Alltagsbetrachtung manövriert, die uns durch das Alter zurück zur eigenen Geduld führt… das lokale Präsentset aus Plastik wird darum auch um ein ebenfalls aus Plastik bestehendes Geduldsspiel erweitert.
Ausgleich
Der alte Mann
klein und gebeugt
vom Leben gezeichnet
wie er eilfertig
sein Einkaufsgut
auf das Band legt
so schnell es eben geht
dennoch
hinterherhinkt
aber immerhin
zum Ende hin
gerade noch
mitkommt
na also
es geht doch
ich
an der anderen Kasse
mache extra langsam
———————————————————————-
Einen Sonderpreis gibt es noch für eine Einsendung der besonderen Art: Jurymitglied Ro-bert und seines Zeichens offizieller Pate des Wortes (wie sollte es anders sein) „patriotisch“, hat heimlich unter dem Synonym Rainer Robert Rilke das „Tagebuch des Rainer Robert Rilkes“ eingereicht, dessen Eintragung „Feierabend“ die Puppe und mich am meisten überzeugte und deshalb in den nächsten Tagen hier als Gastbeitrag eingestellt wird.
———————————————————————
In diesem Sinne…
Allen Teilnehmern besten Dank und den Gewinnern natürlich: Herzlichen Glückwunsch!
PS: wer mir von allen TeilnehmerInnen noch nicht die Adresse geschickt hat, indes einen der wenigen Blogfront-Aufkleber und, so sie/er gewonnen hat, den Preis zugesendet bekommen möchte, kann dies unter: paul(punkt)laub(ät)blogfront(punkt)de nachholen.
Posted: März 4th, 2009
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Sage und schreibe 1/5 derer, die abgestimmt haben, haben tatsächlich ein Gedicht eingereicht. Alle Einsendungen leite ich nun an den Rest der Jury weiter und sobald wir uns entschieden haben, geben wir die Gewinner bekannt. Dies kann durchaus noch ein – zwei Tage in Anspruch nehmen, da wir auf Grund der Entfernungen zwischen den einzelnen Jurymitgliedern die Bewertungen online per Skype und ICQ durchführen müssen.
Posted: März 1st, 2009
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