Recht eitel sprach der Dichter H.,
er schriebe „männliche Gesänge“…
Er schrieb wohl, wie er‘s an sich sah?:
Nicht wenig krumm und sonder Länge!
News for Januar 2009
Auf einen Dichter…
Auszug…
[...]
Rings um mich sind bunte Töne,
Farben mischen sich, voll Schöne,
Zu den herrlichsten Gemälden.
Reihen sich in stolzem Reigen,
Fließen ziellos auseinander,
Wie von fremden Glanz beseelten
Geistern, die sich blendend zeigen
In dem schönsten Durcheinander.
[...]
Berlin im Herbst
Mal wieder in Berlin. Ganz grau in grau -
die große alte Tante hüllt sich ein.
Zwar neonleuchtet sie, die Rampensau,
doch will dabei nicht richtig lustig sein.
Sie schaut uns nicht mal an. Ein Achselzucken,
als schmollte sie, wo wir so lang geblieben.
Was für ‘ne Schnalle! Kaltes Schultergucken.
Dabei weiß sie genau, dass wir sie lieben.
Na immerhin hat sie sich nicht verändert.
Und riecht wie eh und je nach buntem Tand.
Sie grummelt im Gedärm und augenrändert
mit Übersättigung den Dorfverstand.
Categories: Lyrik
Tags: >=3 Strophen, 5-hebig, Betrachtung, Herbst, Jambus, Liebe, Lyrik, Stadt, Unterwegs
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The White Rabbit…
Fear and Loathing in Las Vegas. Und geschälte
Zitrusgürtel-Mandarinen mit viel Saft.
Reihenschaltung-Überlegung. Leicht gequälte
Hoffnung auf der späten Jugend letzte Kraft.
Automatisierte Zusatzlüftung für
Audioprozessoren, die sich überhitzen.
Nachtmittag… und so ein Irgendwie-Gespür:
Nimm schon, Alter. Dreh den Sound auf. Bleib nicht sitzen!
Download The White Rabbit
Categories: Lyrik
Tags: 2 Strophen, 5-hebig, 6-hebig, Befinden, Betrachtung, Lyrik, Trochäus
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Warten…
An die Geliebte…
Deiner runden Form tiefreichende Betrachtung,
folgt stets laut der edle Wunsch, dich auszufüllen.
Dunkles Antlitz. Perle deiner Art. Vor Achtung
schaudert‘s mich wie von des Erdengeists Umnachtung
Faust* geschaudert haben musste. Mir zu Willen
bist du täglich. Dankbar schenkst du mir die Süße
deines Schoßes, die ich, bald zu gierig schlingend,
bald genüsslich festlich, ganz für mich genieße
und den Weltschmerz, so er klopft*², recht freundlich grüße:
Altes Haus, was macht die Kunst? Ist es denn dringend?
Willst du mir nicht den Moment der Freude lassen?
Ach, er lässt. Ganz oft lässt er das Kriegsbeil sinken,
lässt beherzt mich deine festen Seiten fassen
und mich zwei vielleicht auch vier entspannte Tassen
froh aus dir, geliebtes Grünteekännchen, trinken!
__________________________________________
Die passende, heroische Musik dazu gibt es hier. Und das einzig wahre Foto des Kännchens gibt’s bei der Puppe.
*(vergl. Faust – erster Teil, 460 – 517 (*²wer weiterdenken möchte, bis 521))
Categories: Lyrik
Tags: >=3 Strophen, 6-hebig, Betrachtung, Humor, Liebe, Lyrik, Tee, trinken, Trochäus
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Tristes Intermezzo…
Die Wände mit den Ohren und der dummen
Unsäglichkeiten dreiste Oblation – -
Zensiertes Schweigen wandelt auf den krummen
Schmolllippen… samt gebrochnem Hohn.
Der bange Lauscher wälzt die Arsenale
der eignen Schande. Dass er daraus lernt?
Mitnichten! Sonder Kern die weiche Schale.
Und schaumgeschlagnes Hirn. Entfernt
ziehn lange Schatten über brache Länder,
wie hingeworfen. Graugefärbtes Nichts.
Das Leben ist ein herrlich satter Blender:
ein Tunnel liegt am Ende jeden Lichts.
Categories: Lyrik
Tags: >=3 Strophen, 5-hebig, Befinden, Betrachtung, expressiv, Gedanken, Jambus, kritisch, Lyrik, nihil, Winter, zwischenmenschlich
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Einsicht 2017
Was hätte ich, trät heut der Tod in’s Zimmer,
ihm zu entgegnen, dass er mich verschone?
Die reimgefüllten Zettel? Nie und nimmer!
Die juckten schon die Menschheit nicht die Bohne.
Sollt ich mit Taten mir ein Loblied singen,
die mir mein schaler Geist für gut befand,
vielleicht dem Mimen gleich mit Tränen ringen
und schmachtend flehen, an der Stirn die Hand?
Gewiss, der alte Knabe ließ vor Lachen
die Sense sinken für ein Stückchen Zeit,
um mir drauf schlimmer den Garaus zu machen.
Wie düster ist der letzten Einsicht Kleid!:
Es gibt nur eines, was den Tod erbarmt…
Wenn den, der sterben soll, ein Kind umarmt.
Triolett auf die Eitelkeiten…
Der Eigenliebe zeiht ihr mich,
seht ihr mich vor dem Spiegel stehen?
Nur zu! Passt es euch auf den Strich,
der Eigenliebe zeihet mich!
Doch fragt euch auch, ganz inniglich:
Was nützt kokettes Gestenblähen?!
Der Eigenliebe zeiht ihr mich? -
Wer sich versteh’n will, muss sich sehen!
Categories: Lyrik
Tags: 4-hebig, Bekenntnis, Humor, Jambus, Lyrik, Triolett
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Pure Comédie…
Das Leben schmeckt zuweilen fad,
man muss es würzen,
mit feinen Kräutern, Pulvern und Tinkturen.
Wer würde sich auf eine Suppe stürzen,
der es an Zutat fehlt?
Seht ihr die Uhren?
Sie ticken vor sich hin.
Die Jahreszeiten
verfliegen wie ein welkes Blatt im Wind.
Solln wir dem Blattwerk gleich durch‘s Leben gleiten,
die wir wie trunkne Steuermänner sind,
die ihren Schicksalskahn durch Gischt und Wellen
und bang um mancher Klippen Grat gerissen,
indes der Bräute geile Narrenschellen
uns bald um‘s letzte Bisschen Geist beschissen,
uns bald zum Höchsten, Fernsten noch erhoben?
Theater pur!
Die Welt bedeutet all die Bretter,
die wir vor unsren müden Kopf geschoben
wie Holzverschläge gegen schlimmes Wetter.
So ist das Leben doch ein straffes Spiel -
Wir gehen mit?
All In!
Zha! – satte Wänster!
Schon duckt ihr euch,
sucht Sinn und Ziel?:
Wer solches sucht…
sieht bald Gespenster…
Categories: Lyrik
Tags: 5-hebig, 6-hebig, Bekenntnis, Betrachtung, Humor, Jambus, Lyrik, rumpelig, schicksalhaft, Sinn
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Winter und Slacklines…
Da slacke ich bei Sonnenuntergang und blassem Mond…
und schreibe vom Sommer auf www.slackfest.de …>
Categories: Unterwegs
Tags: Aktion, Bilder, Lyrik, slacken, Sport und so, Unterwegs, Winter
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Nachhall (zweihäusig)…
Du hieltst’s mit allem praktisch, wie mit dem,
den du nur nahmst, galt es ihn zu verleiben.
Wie fern lag dir, du warst wohl zu bequem,
ein fröhliches und losgelöstes Treiben.
Was dich umgab an diesen langen Tagen,
war dir ein Zubrot, Flucht dem Einerlei.
Du gabst nie Antwort, stelltest keine Fragen.
Oh Ignoranz, gelobtes Konterfei!?
Drum sagte ich Adieu. Kurz ist das Leben.
Und schal wird’s dem, den etwas stört.
Gern hätte ich dir dieses mitgegeben:
Wenn in die Liebe etwas nicht gehört,
dann sind dies faule Meinungslosigkeiten –
und auf dem Rest… lohnt es nicht rumzureiten.
Frohe Kunde…
Die lyrische Blogfront ist heute in der Lyrikzeitung (unter #36). Das freut mich außerordentlich.
Kommunikation lyrisch…
Eine kleine Vorgeschichte:
Ihr kennt das: man kränkelt vor sich hin, leichtes Fieber, Husten, Schnupfen, Hühnersuppe, sogar Bettruhe – freiwillig. Das Lesen strengt an, das Fernsehen sowieso, leise Musik… was Ruhiges. Und dann immer mal einschlafen. Und sonst? Zeit! Zeit zum Nachdenken. Übel! Das Schlimmste am Kranksein ist die verdammte Zeit zum Nachdenken!
Was kann man tun, um einem dergestalt gebeutelten Menschen aus einiger Entfernung etwas Gutes zu tun? Eine aufmunternde SMS zum Beispiel. Also tippte ich:
[...]Eugen Roth schrieb: Zwei Dinge trüben sich beim Kranken: /a) der Urin b) die Gedanken.//[...]
Ein Zitat, ich weiß, aber eins für einen guten Zweck. Doch das wirklich Erbauliche war die Antwort, welche zurück kam:
gern sagt ich, dass durch das fieber /die gedanken werden schlecht. /darum kriegt der dichter lieber /schnell und unumwunden recht.///[...]
Das freut! Ein sauberer, 4-hebiger Trochäus mit alternierenden Kadenzen. UND Inhalt!!! Lyrische Kommunikation in Reinform.
Danke.
Categories: Anekdote
Tags: 4-hebig, Bekenntnis, Dichtung, Lyrik, Trochäus, zwischenmenschlich
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Epigramm auf die Pelerine…
Die Decke, die sie trägt, ist nicht verkehrt.
Nur friert jetzt andernorts bestimmt ein Pferd!
Categories: Lyrik
Tags: 5-hebig, Betrachtung, Epigramm, Humor, Jambus, kritisch, Lyrik, Winter
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Pathetisch-krummwegige Ballade zum Dank an die Leser…
Ich weiß, Ihr mögt die ungeschlachten Reime,
den feisten Schwulst anzüglicher Sonette,
die Epigramme und der edlen Glossen feine
Entartung, die ich treibe und ich wette,
wenn ich der Stanzen hoheitliche Beine
im jambischen Gedöns der grauen Städte
gespreizt in meinen Spottkranz eingewunden,
dann habt Ihr manches Mal Euch selbst gefunden.
Wenn ich bei dicken Beats auf alles scheiße,
bis das Gedicht dem Regelwerk entspricht,
bis das Erlebte nach der alten Weise
verdichtet ist, wenn ich manch Bier gezischt,
um diesen Ekel, der uns alle leise
und doch bestimmend bremst, vor das Gericht
der lyrisch leichten Heiterkeit zu zerren,
dann tat ich’s nicht für euch, Ihr stummen Herren,
dann tat ich’s nicht für euch, Ihr stummen Damen,
dann tat ich’s ganz und gar für mich allein.
Doch allen, die ob meiner Worte wieder kamen,
dank ich von Herzen: denn der beste Reim
ist ohne seine Leser wie ein Samen,
der tief in trockner Erde nicht zum Keim
gelangt und nie sein wundervolles Blühen
zur Freude des Betrachters trägt. Die Mühen
des Tages aufzuschreiben ist ein Leichtes.
Sie, wie sie wirklich waren, zu vermitteln
indes bleibt all zu oft ein Unerreichtes.
Es sei, man lässt‘s bei fahlem Es-bekritteln,
statt voller Wucht der Dinge dröges, seichtes,
beschissnes Unsein aus sich raus zu schütteln,
bis alles abfällt, bis die Welt versteht,
dass der, der lebt, stets krumme Wege geht!
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Danke allen Lesern. Danke für über 32.000 Klicks binnen Jahresfrist, Danke für dieses Ja zu einer einfachen, metrisch sauberen, nach allen Regeln der Kunst gereimten, ehrlichen und vor allem lebendigen Lyrik, einer Lyrik deren Schwungrad das Leben selbst ist.
Macht Euch ein schönes Jahr, lasst Euch nicht ärgern und – auch das wird eines Tages überwunden sein – … macht kaputt, was Euch kaputt macht!
Paul
Categories: Lyrik
Tags: >=3 Strophen, 5-hebig, Ballade, Bekenntnis, Betrachtung, Blog, Gedanken, Gleichnis, Humor, Jambus, kritisch, Liebe, Lyrik, Musik, Netz, rumpelig, Sinn, Stadt, Stanze, zwischenmenschlich
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An einen Gestrauchelten…
Wär sie nicht, wär ich schadenfroh,
dass das grad dir passiert ist.
Da du doch sonst so steif und so
gutbürgerlich dressiert bist.
Ich weiß, dass du dich da nicht quälst -
du ziehst bestimmt den Schwanz ein.
Falls du die Wahrheit je erzählst,
dann soll mein Name Hans sein.
Categories: Lyrik
Tags: 2 Strophen, 3-hebig, 4-hebig, Betrachtung, Humor, Jambus, kritisch, Lyrik, zwischenmenschlich
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Gedanken zu Neujahr…
Ein nagelneues Jahr. Man wünscht sich fast,
man hätte sich für sich was Schönes vorgenommen.
Stattdessen eilt man weiter ohne Rast
und fühlt sich wie ein Hund, der unters Rad gekommen.
Man weiß genau, die Dinge werden bleiben,
wie sie sich eigentlich auf keinen Fall gehören.
Das Leben ist ein sattes Zeitvertreiben –
mit wenig Liebe und mit ganz viel Selbstzerstören.
Da trägt man selbst die Schuld. Es ist zu dumm.
Was muss man auch in diesen engen Städten wohnen.
Das Beste wär, man zöge einfach um…
auf’s Land. Und züchtete sich Hühner oder Bohnen.



