Der Morgen ist aspik. Die Wälder schweigen.
Das Aggregat treibt stetig auf dem Fluss,
dem schwarzen, harten, vorwärts. Und ein Kuss
zum Abschied klingt noch nach wie schiefe Geigen.
Der Finger tippt im Takt am Lenkgestänge.
DaDamnPhreakNoizePhunk-Downbeats. Gottverfickt!
Die Welt fließt durch die Fenster, ganz entrückt.
Behäbiges Erwachen. Tagesenge.
Schlohweißes Fichtenfeld und Niemandsländer
im Lächelblick. Kurz vor dem Schattensprung
kriecht alles in die herzlichsten Gewänder
und hebt sich ab von der Erinnerung.
Als ob sich abzuheben einfach wäre -
dies nackenstarrende Gesetz der Schwere.
Posted: Dezember 27th, 2008
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Die Frau und ihre drallen Augenweiden,
die struppige Frisur, das bunte Kleid,
die Lächelkulleraugenkostbarkeiten…
und wie sie singt!… man wird das Graue Leid
und endlich kommt man an und kann vergessen.
Wenn sie Klavier spielt, hört echt alles auf!
Die Menge tobt, von ihrem Charme besessen
und wölbt sich in den Raum, nimmt satten Lauf.
Wer Takt hat, lässt sich von Gefühlen wiegen.
Ich habe keinen mehr: Kopf im Genick,
brüll ich, indes Kusshände schnalzend fliegen:
Miss Li*, jag vill ett barn med dig!
*notwendiger Link hier>
Posted: Dezember 23rd, 2008
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„Kritik?!“, klagt sie und bricht in Tränen aus.
Kritik an ihr, die doch unfehlbar ist?! –
Wolfsatem vor dem losen Bretterhaus!…:
manch Schweinchen brach da schon in Tränen aus
und floh – dem Ende sicher fast – hinaus,
zu seinesgleichen. O welch schlaue List! –
Schön klagt es sich, bricht man in Tränen aus.
Da eine Träne stets unfehlbar ist.
Posted: Dezember 22nd, 2008
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Soeben erreichte mich die frohe Kunde, dass sich mein geschätzter Kollege Ro-Bert, wohl angeregt durch vorweihnachtliche Gemütszu- und andere hier nicht zu erwähnende Um-stände, nach so langer Zeit herabgelassen hat, um der Welt eines seiner erbaulichen Sonette zum Geschenk zu machen. Voilà:
Weihnachtsabend
(ein Weihnachtssonett im expressionistischen Zeilenstil)
Ein Tannenbaum trägt Schmuck fast wie Kaskaden.
Und winterlich weht Schnee weiß über’s Land.
Die Welt wiegt sanft in Gottes weiser Hand.
Beseelt erklingen mancherorts Balladen.
Vereinzelt eilt man noch in einen Laden.
Doch vielmehr wirft man sich in Festgewand.
Gern bricht und teilt man sich des Brotes Rand;
gebacken – als ein Leib – so manche Fladen.
Vier Kerzen schenken jedem Heim ihr Licht.
Die Kinder lernen eifrig ein Gedicht.
Und Glocken läuten herrlich, gottgegeben.
Heilige Stille füllt nun ganz den Raum.
Ein bärt’ger Mann erscheint in rotem Saum.
Oft schenkt auch dieses Sein ein neues Leben.
von Robert Matthees
Gröditz, 20. Dezember 2008
Posted: Dezember 20th, 2008
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Noch etwas Gift und bange Küsse auch.
Die Nacht lässt sanft das dunkle Negligee
hingleiten in den reinen weißen Schnee,
umweht von erstem Morgennebelhauch.
In Moll geklampft, ihr süßes Abschiedslied,
auf kältestarr gebognen Birkenzweigen.
Indes viel abgerissnes Fingerzeigen
zu Sternen weist, die nie ein Auge sieht.
Posted: Dezember 20th, 2008
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Du willst mit Klettern dir die Zeit vertreiben? – -
Schon gut, ich hör ja auf zu kichern:
Natürlich gíbt es ein paar Möglichkeiten…
selbst dich zu sichern.

>> mehr Infos zur Sicherheit <<
Posted: Dezember 13th, 2008
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Wir könnten bis nach Afrika verreisen.
Bis an den Nord- und Südpol meinetwegen.
Wir ließen sie doch nicht zurück, die leisen
und ungebeugten Zweifel, die sich regen,
wenn wir uns in das Innerste versenken.
Selbst wenn wir auf dem Grund des Meeres lägen -
wir würden nicht ertrinken, sondern denken.
Wir sind nun einmal komisch eingerichtet.
Das Leben hat die Bude vollgestellt.
Auf altes Zeug ward Ramsch geschichtet
und vor dem Fenster, das den Raum erhellt,
hängt schon seit ewig dieser matte Spiegel.
Man sollte ihn zertrümmern. Denn die Welt
statt seiner anzusehen, wär nicht übel.
Posted: Dezember 12th, 2008
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Als ich ein Kind war, noch von Sorgen frei,
da tanzte ich mit meiner Schwester wild
am heil’gen Weihnachtsabend Ringelreih,
ums bunt geschmückte Bäumchen. Welch ein Bild.
O welch ein Glück! – Doch bald ein jäher Schrei.
Und Schwester lag im Baum, vom Grün umhüllt.
Was war geschehn?: Ich wollte nur was naschen…
Und hab im Schwung die Ärmste losgelassen.
Posted: Dezember 10th, 2008
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Frau Nachbarin wird, wie es scheint, schwer krank,
sobald ihr lieber Mann auf Reisen geht:
Fast jeden Abend kommt der Doktor Frank –
und geht erst spät.
Posted: Dezember 9th, 2008
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Alles was Ihr Heuchler tut,
was Ihr denkt und sagt und lasst,
straf ich Lüge! Lügenbrut!
Seid und bleibt zu Recht gehasst!
Nicht, dass ich so immer dachte.
Nein, das wäre Vorurteil.
Früher, als ich gerne lachte,
jedem Freund war und das Heil
aller rings um mich bewachte,
kannte ich nicht böses Blut.
Kannte nicht die finstre Wut,
die nun gärend in mir frisst.
Was der Grund zur Gärung ist?…:
Alles was Ihr Heuchler tut!
Weil mir dies so viel an Kraft
kostet, weil die Sinne schwinden,
wenn in mir der Körpersaft
kocht, bis sich das Wohlbefinden
schmerzlich schmälert; da der Haft,
ja, der Folterhaft schon fast,
gleich es scheint, muss, ohne Rast,
ich mich mit Euch täglich plagen…
darum kann ich nicht ertragen,
was Ihr denkt und sagt und lasst.
Hätte ich die Chance, Euch feigen
Sackgesichtern in die Suppe
reinzuspucken, Euch der Geigen
Eurer Fiedelhurengruppe
bar des Mitleids anzuzeigen -
weh! Ihr wäret auf der Hut.
Still säh man Euch. Ohne Mut.
Warum Euch die Hand noch geben?
Denn selbst Euer feistes Leben
straf ich Lüge! Lügenbrut!
Euresgleichen wird es immer
geben. Wenn ich ehrlich bin,
fürchte ich, es ginge schlimmer:
OHNE Inhalt! – Immerhin,
diesen seh ich im Gewimmer,
wenn Ihr Euch am Herzen fasst,
da Ihr Euch besinnt der Last…
Welch ein Grund für Manifeste
[Dafür seid Ihr grad das Beste!]!:
Seid und bleibt zu Recht gehasst!
Posted: Dezember 9th, 2008
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Den Dächern hängt die weiße Mütze schief.
Manch einem fällt sie mit Krawall zu Boden.
Der Straßenschmodder wölbt sich knöcheltief.
Die Katzen lecken Salz von ihren Pfoten.
Das Volk indes lustwandelt im Advent.
Man kaut an Enden ellenlanger Würste.
Und wer im Glühweinrausch kein Halten kennt,
der kauft sich eine neue Rosshaarbürste.
Die in den engen Gassen parken, haben Pech.
Das Amt steckt Weihnachtsgrüße an die Scheiben.
Wie stets benehmen sich die Tauben frech -
und scheißen sanft im Flug auf’s bunte Treiben.
Posted: Dezember 6th, 2008
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Sie halten nichts von Politik.
Schon gar nichts von Geschichte.
Viel lieber wär den Jungs ein Fick
mit Hitlers schöner Nichte.
Zur Not auch noch mit Eva Braun,
des irren Kriegers Dirn’.
Hübsch warn sie ja, des Führers Frau’n,
in ihrem Nazizwirn.
So sitzen sie im Unterricht.
Dem Thema ganz zum Hohn,
erfüllen sie des Schülers Pflicht -
mit einer Erektion.
Los, Alter! Pack die Klettersachen,
wir fahren in den Elbsandstein.
Uns ein paar feine Tage machen,
uns in ne schöne Boofe krachen,
soll unser frohes Streben sein.
Schon hör ich Töne voller Segen:
der Karabiner leises Klicken.
Seh uns beim Knotenschlingenlegen,
mit festem Griff an Felsenwegen,
zum nächsten Band voll Sehnsucht blicken.
Seh uns den Leib zum Gipfel wuchten.
Am Ring vergnügt die Sesi zücken.
Spür dankbar schon das Training fruchten.
Hör wie du rufst durch enge Schluchten:
„Hab Stand! Komm rauf! Es wird schon glücken.“
Fühl schon das Feuer, das am Abend
die Glieder wärmt – verkrampft vom Klettern.
Hör uns, am Biere munter labend,
in lang vergangnen Zeiten grabend,
die derbsten Anekdoten schmettern.
Drum auf, mein Freund! Lass es beginnen.
Was braucht der Mensch zum Glücklichsein?
Wie sind wir bald schon ganz von Sinnen
beim Anblick jener hohen Zinnen,
der Türme dort im Elbsandstein.
Posted: Dezember 4th, 2008
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Die schön gewachsne Bäckersfrau Isolde,
ich glaub, die hat Verstand:
Sie hat mich, als ich Puddingschnecken wollte – -
„Du freches Schwein!“ genannt!?
Posted: Dezember 3rd, 2008
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Die Stadt erwacht. Der Moloch schnauft Behagen
in das Etagenfenster, das noch leicht
geöffnet ist. Ein frischluftschlummerseicht-
es Frösteln, fernes Taubenflügelschlagen
im diesig-dumpfen Elbtalmorgengrauen:
Die Nacht noch ganz verträumt im wirren Haar,
sind die paar Sorgen doch ganz wunderbar
im Ganzen – - Tee… ersehntes Vorwärtsschauen.
Posted: Dezember 1st, 2008
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