Es war… ein Igeltier. Ich wollt es essen.
Doch stach‘s mich in den Mund. O welch ein Schrei!
Ich schimpfte darauf laut und währenddessen
rief irgendjemand nach der Polizei.
Die kam auch bald. Ich war schon eingeschlafen.
Dem Igel gleich lag ich im Laub versteckt.
Und einzig diese Himmelsruh zu strafen,
ging man ans Werk und hat mich aufgeweckt.
Man sei gerufen worden –früh, halb sieben-,
ein Irrer sei zu Gange im Revier…–
Ich rief: „Der Herr! Verdammt, so lasst mich liegen!
Er sagte mir‘s! Der Herr war grade hier!
Der Herr war hier und sprach: ‘Iss einen Igel!
Wenn du das tust, schenk ich dir eine Kuh.
Und außerdem, ich geb dir Brief und Siegel,
schenk ich dir noch das ganze Land dazu!’
Das war der Deal. Ich konnt nicht widerstehen.
Der Drecksack hat mich ganz schön reingelegt!
Und itzo, meine Herrn, auf Wiedersehen,
seht zu, dass ihr euch schleunigst fortbewegt!“
Man nahm mich freilich mit. Ich hab gelacht.
Seitdem sitz ich in einer Psychiatrie.
Und bin noch breiter als in jener Nacht,
als ich dem Glück so nah war wie noch nie:
Fast hätte mir das ganze Land gehört!
Und meine neue Kuh hätt Euch regiert.
Ihr seid ja von den Kühen ganz betört,
so sehr wie Ihr auf diese Merkel schwört.
Naja, wer nicht gewinnt – verliert.
Posted: November 29th, 2008
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Du nennst „gereimten Dünschiss“, was Du hier gelesen?
Mein Freund, lass uns vor allem einmal ernsthaft bleiben:
Was ich hier feier, schafft dein starres Wesen
zu denken nicht, geschweige denn – es zu beschreiben…
Posted: November 27th, 2008
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Auf Wald und Flur hat sich ein Frost gelegt.
Im Silbermantel glitzert Halm und Strauch.
Die klare Luft des reinen Morgens trägt
ein Leuchten durch den frühen Nebelhauch.
Fast wie erstarrt glänzt heut der Quell im Tal.
Ein sanftes Ruhen liegt in allen Dingen.
Ringsum der Stille stummer Widerhall
hebt an, des Winters Wiegelied zu singen.
Schon schaut, dem neuen Ton entzückt zu lauschen,
aus dunklem Auge scheu ein kleiner See.
Darin der Wald mit seinem steten Rauschen
sich spiegelt. Leise fällt der erste Schnee.
Der Flug der zarten Flocken tanzt beschwingt
den Reigen längst vergessner Herrlichkeit.
Und über Berg und Höhen singt und klingt
das Land im Lauf der Welt, im Takt der Zeit.
Ich tanze nackt. Der Masterausgang blinkt
zu dichten BigBeat-Mantras in die Nacht.
Das Pulver ist sehr stark. Ein Schwein versinkt
im Teppich und der Couchtisch kracht
als ich, gehockten Sprungs, das Glas durchfahre,
da sich das Ich ins trübe Umfeld raumt.
Entmenscht geht hart am Schaum das Wandelbare.
Grad wie im Traum, so zotig zerrend, zaumt
Mephisto den Apoll vor seinen Karren. -
Die Peitsche ihm! Er schreit: „Dem Schoße Heil!“.
Bald ist die Brut durchs Fenster abgefahren
und Schnee fällt leise auf das straffe Seil,
von dem ein Tänzer fiel – „[...] dass ich dich nicht
mit meiner Ferse kitzle[...]“. Festlich fingert
der Morgen sich ins erste Tageslicht…
indes mein Hirn in trunknen Tiefschlaf schlingert.
Posted: November 23rd, 2008
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Manch einen sieht man seine Haare raufen,
ob seiner Lügen und dem Arschgekrieche,
das er tagtäglich feiert, um die sieche,
saftlose Hülle, die er ist, gut zu verkaufen.
Man wär gemein,
ein mieses Schwein,
dem armen Tropf für all die bösen Taten,
die er, sich selbst an anderen zu rächen,
getan hat, einfach mal das Kreuz zu brechen -
wie es der Gärtner tut, bei Ratten, mit dem Spaten.
Posted: November 22nd, 2008
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An Leinen lässt sich’s herrlich bellen.
Man tut, als sei man nicht entbehrlich.
Und schlägt Alarm. In manchen Fällen,
ist Leinenzwang der Grund zum Bellen.
Manch einer schlägt nur gerne Wellen…
Doch sind wir einmal wirklich ehrlich:
Die, die an straffen Leinen bellen -
sind meistens ziemlich ungefährlich.
Wir nicken in 3D zu ‚Eastern Sun‘
[ganz dick auf Slackline Radio] und schreiben
per Skype: „Was geht? Hätt Bock auf klettern, Mann…
auf schönes Sieben-minus-Zeitvertreiben.“
Dann klicken wir durch derbe YouTube-Bretter,
Yosemite und was weiß ich für Sachen.
Vorm Fenster schifft’s. Was soll man tun? Das Wetter
trotzt jeder Sehnsucht. Lausiges Verflachen
zu visuellem Tand! Nichts in den Fingern!
Wir feixen trotzdem. „Lass und ein paar Bier
im Späti holen, eins von diesen Dingern
zusammenrollen – - ja, um acht bei Dir!“
Posted: November 18th, 2008
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Jetzt wird es Winter und die Kälte zwickt
schon beim Gedanken, vor die Tür zu gehen.
Man wünscht sich einen Schal gestrickt:
vom Kopf bis runter zu den Zehen.
Der Markt ist plötzlich eine kleine Stadt.
Es riecht nach Glühwein. Alle Pflanzen ruh’n.
Wer jetzt ein dickes Weibchen hat,
der hat es warm – und was zu tun.
Der Himmel ist so komisch wolkenrosa.
Das sieht nach Schnee aus. Und nach Lichersmog.
Das Herz füllt sich mit Weihnachtsprosa
und geht im Kauderwelsch am Stock.
Und über dem stößt mancher Schlot sein Rauchen
ins Graue dieser kalten Tageskürze.
Manch edler Wunsch – O frommes Fauchen -
quillt hinterher… wie Zimtsternfürze!
Posted: November 17th, 2008
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Nun ja, wenn wir die üblen Leuteschinder,
die auf der Welt sind, um das Volk zu knechten,
ganz einfach keulten wie erkrankte Rinder,
wenn wir dazu noch all die dreisten Rechten,
die Linken und die aus der feigen Mitte
in einen großen Schweinekoben sperrten,
wenn wir die christlich-sieche Tugendsippe
in die Gewölbe ihrer Prunkgebäude zerrten,…
dann könnt uns keiner in die Suppe spucken!
Wir könnten endlich ruhig fernseh-gucken.
Posted: November 12th, 2008
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Vom Ebenmaß verzierte Bögen treiben
im Flussbett eng gewundner Pflasterstraßen,
gleich seichten Wellen, die, vom Wind geblasen,
sich aneinander, ineinander leiben.
Aus abertausend Fugen gleißt das Fließen.
Ein Strom aus Steinen, aus Granit die Tropfen.
Und jeder Schritt erinnert an das Klopfen
der Hammerschläge – frohen Handwerks Grüßen.
Nicht klein die Kunst, auf Knien Stein um Stein
zu setzen, bis das Bild sich flächig schließt,
bis jeder Stein in die Gemeinschaft fließt.
Das wirkt wie ein vollendet schöner Reim,
in dem das kleinste Wort geschickt verwebt,
damit es fest im großen Ganzen lebt.
Posted: November 10th, 2008
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Wann mir die neue Lyrik nicht gefällt:
Wenn sie „Gedicht“ verspricht – und Prosa hält!
Posted: November 7th, 2008
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Zuweilen sitzt man müßig in Cafés,
an deren Türen „LOUNGE“ in großen Lettern steht,
und findet sich, wie man es wendet oder dreht,
bei fahlem Aufguss bald in noch viel fahleren Klischees…
Da gibt es Milch mit Kaffee aus gehenkelten Gefäßen,
in denen könnten locker kleine Kinder baden.
Die Frauen auf den Sofas, die die nackten Waden
galant verknoten, sind so dünn wie neue Reisigbesen.
Man sitzt drapiert in großen Fensterscheiben,
dass man von außen sieht, wer sich die Ehre gibt.
Und überall ist Spiegelglas, man wird ganz selbstverliebt.
Vom Spülknopf* an den Pissoirs mal ganz zu schweigen.
Das laute Fauchen einer „La Chimbali Bistro 32 M“
[eins dieser Dinger, welche mittels 9 bar Kaffee pressen]
erklingt in einer Tour. Und möchte man was essen,
dann wählt man hedonistischen Salat à la bohème.
Naja. Klischees. Nichts Schlimmes. Tausend Mal beschrieben.
Die Spiegel sind auch gar nicht mal so schlecht.
Sie sind ein wenig schräg – macht einen recht
gediegnen Einblick in das Dekolletee dort an Tisch sieben.
*ja, es gibt hochglanzpolierte Edestahlspülknöpfe, in denen sich die (Männer-)Welt spiegelt
Posted: November 6th, 2008
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Wir hatten den Tag auf der Arbeit verbracht.
Die Nacht zog über das Neubaugebiet.
Zum Abendbrot hast du uns Brote gemacht
und über den kritischen Polen gelacht –
Verwundert, was man so im Fernsehen sieht.
Bald lagen wir träumend im Stehlampenlicht
(das war unser Spiel und wir liebten es sehr),
es schien wie die Sonne. Dein müdes Gesicht
erhellte sich kurz, als ich sprach: Hör, die Gischt…
das Rauschen der Heizung klingt schön wie das Meer.
Dann weintest du leise. Ich konnte dagegen
wie immer nichts tun, als dich fest in den Arm
zu nehmen, dir salzige Küsse zu geben.
Geträumtes Sich-sonnen macht leider nicht warm.
Kaum Geld, keine Zukunft, ein Leben im Schatten,
kein Kind, das uns Hoffnung gab… nichts was uns freute.
Wir schufteten sinnlos und bis zum Ermatten
und träumten – so tun wir‘s bis heute!
Posted: November 5th, 2008
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Oder:
Isometrische, ballfäustg-heroisch-aufrührerische Ballade, deren erbauliche Schönheit Paul Laub bei seinem großen Vorbild, dem Franzosen Francois Villon, kennen und schätzen gelernt und deren Inhalt das Leben selbst geschrieben, die Musik indes zu folgender meisterlichen Virtuosität verholfen hat…
Singt, Brüder, Schwestern, die ihr wie
die Hunde für ein Leben zollt,
dess allerhöchstes Gut Esprit
und Geist ist; die ihr jedem grollt,
der sich der Unheit flatterhaft
verschrieben. Singt aus voller Brust,
solang es neue Tänze schafft.
Singt froh das Lied, das – welche Lust -
erklingt, um nicht zu amüsieren:
„Was haben wir denn zu verlieren?!“
Trotz aller Häuserfronten Enge,
in alle Winde singt es laut!
An jedem Platz, im Marktgedränge,
bei Nacht und wenn der Morgen graut,
singt es zu Hause, auf der Straße,
singt es auf Arbeit unentwegt
dem Chef in die Kommerzvisage.
Und wenn man euch zu Boden schlägt,
singt blutend noch auf allen Vieren:
„Was haben wir denn zu verlieren?!“
Ihr Brüder! Und ihr Schwestern all! -
das Lied, es hat kein festes Maß!
Sein Takt ist eures Herzschlags Schall
an dem ein Unbehagen fraß.
Befreit euch singend aus der Haft!
Dem Donner gleich in Stadt und Land
wird euch dies Lied wie eine Kraft,
die etwas Unbewegtes fand,
dumpf treibend in die Freiheit führen.
Drum singt! Ihr habt nichts zu verlieren!
Envoi:
Und lasst euch nicht von den Gazetten,
die haltlos unsre Welt zerschmieren,
und von der Flimmerkästen netten
Geplänkel tückisch nihilieren:
Sie wolln, dass wir zum Vieh vertieren!!!!
Posted: November 3rd, 2008
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Aufs Grab des deutschen Films geschrieben:
„Mit U900 ist er arm verschieden.“
Posted: November 1st, 2008
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